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Casey Spooner, #SPOONER2020, Video, 2 minutes 28 seconds, Courtesy of the artist
AMERIKA, AMERIKA?
Gabi Blum, Simone Kessler
Christian Eisenberger
Janis Löhrer
Robert Knoke
Alex McQuilkin
Casey Spooner
Charlie Stein
Sophia Süßmilch
Eröffnung: Dienstag, 3. November 2026, 18-21 Uhr
War Amerika nicht immer auch eine Erfindung: ein Versprechen von Freiheit, Fortschritt und Selbstverwirklichung, verdichtet im Mythos des American Dream? Im Vorfeld der anstehenden Midterm-Wahlen in den USA rücken die gesellschaftlichen und politischen Spannungen des Landes erneut in den Blick. Welche Bilder, Erwartungen und Widersprüche bestimmen unsere Vorstellung von Amerika.
Amerika, Amerika? versammelt künstlerische Positionen, die sich mit amerikanischen Symbolen, Bildwelten und kulturellen Vorstellungen auseinandersetzen. Dabei geht es um deren Präsenz in unserem Alltag ebenso wie um ihre Verbindungen zu Popkultur, Konsum, Schönheitsidealen und Identität. Zwischen Faszination und Distanz, Mythos und Gegenwart entsteht so ein vielstimmiges Bild der Vereinigten Staaten.

Charlie Stein, Portal, 2026, oil on canvas, 90x120 cm, Courtesy of the artist
Charlie Stein untersucht etwa in ihrer Serie „American Flag“, wie sich die Wahrnehmung und symbolische Bedeutung der amerikanischen Flagge im Ausland in den letzten gut zwanzig Jahren verändert hat. Sie hinterfragt die verbreitete Gleichsetzung von Flaggengebrauch und Patriotismus, obwohl das Tragen der Flagge als Kleidungsstück nach dem US-amerikanischen Flag Code ausdrücklich als unangemessen gilt – auch wenn dieses Regelwerk keine Strafen vorsieht. Die Künstlerin arbeitet häufig mit Motiven aus Popkultur, Konsumwelt und zeitgenössischen Schönheitsidealen, deren Versprechen von Perfektion und Selbstoptimierung sie zugleich aufgreift und hinterfragt, Dies zeigt sich auch in weiteren ausgestellten Arbeiten, darunter die skulpturale Haararbeit „Scylla“, ein überzeichneter Mund und eine surreale Geburtstagsszene, die Fragen nach künstlicher Identität, Begehren und gesellschaftlicher Inszenierung aufwerfen.
Janis Löhrer greift diese Thematik einerseits auf, verbindet er in seinen hier gezeigten keramischen Arbeiten amerikanische Symbole mit Körperlichkeit, queeren Lebenswelten und Konsumkultur. Seine beiden Varianten der „Swimming Trunks“ unterscheiden sich durch die Muster der Badehosen: Einmal sind die Stars and Stripes, einmal die Flagge der Konföderierten Südstaaten zu sehen. In „Dirty Trainer“ nimmt Löhrer mit dem Turnschuh andererseits ein Objekt auf, dessen weltweite Verbreitung eng mit amerikanischen Marken wie Nike verbunden ist. Unterschiedliche Zeichen und Gegenstände amerikanischer Kultur treffen so in Material und Form aufeinander.
Sophia Süßmilch beschäftigt sich mit Identität, Heimat und Selbstinszenierung. Titel wie „It’s not who you are, it’s who you wanna be“, „Heimatliebe“, „Selbstportrait als gute Laune“ und „Urlaub auf dem Bauernhof“ bringen unterschiedliche Vorstellungen von Persönlichkeit, Zugehörigkeit und Lebensgefühl zusammen. Die Neonarbeit „Vacancy, No Vacancy“ von Gabi Blum und das Video „Wishful Thinking“ von Blum/Kessler erweitern diese Perspektiven um weitere Medien und Bildsprachen.

Gabi Blum & Simone Kessler, WISHFUL THINKING, HD Video, 7 min., 2013, Courtesy of the artists
Auch Christian Eisenberger setzt sich mit den Zeichen und Klischees Amerikas auseinander. Seine 2011 entstandene Serie aus Schablonenarbeiten auf Papier verbindet prägnante Schriftzüge wie Sex and the City oder God Bless You mit einer ungewöhnlichen Geschichte: Nach einer Reise nach New York gelang es dem Künstler, mehrere Kilogramm Pferdemist von New Yorker Polizeipferden durch die Zollkontrollen nach Deutschland zu bringen. Die Arbeiten verbinden so die sprachlichen Versatzstücke amerikanischer Alltags- und Popkultur mit einer ebenso eigenwilligen wie handfesten Form des künstlerischen Erinnerns.
Zwei Videos der New Yorker Künstlerin Alex McQuilkin ergänzen die Ausstellung um filmische Arbeiten zu Jugend, Rollenbildern und Selbstwahrnehmung. In Running Away/Looking Back (Secure Base Phenomenon) flieht ein Mädchen vor der Kamera und sucht dabei ständig den Blick über die Schulter zurück. Diese Einstellung wird häufig sowohl in Horrorfilmen als auch in Werbespots verwendet. Durch das Zusammenschneiden von Material aus beiden Quellen entsteht eine ununterbrochene Sequenz von Mädchen, die davonlaufen und dabei zur Kamera zurückblicken. Einige rennen um ihr Leben, während andere den Betrachter verführen, um eine Fantasie von Freiheit und Glück zu erzeugen.
Aus der Werbung angeeignete Darstellungen junger Frauen, idealisierte Bilder privilegierter US-amerikanischer Perfektion und Freiheit, werden in Magic Moments (Preliminary Materials for a Theory of the Young-Girl) von McQuilkin mit einer langsamen Akustikversion der Nationalhymne unterlegt, um sich medialen Frauenbildern und der Verflechtung von Konsumkultur und weiblicher Identität zu widmen.
Der US-amerikanische Musiker und Künstler Casey Spooner nimmt in seiner Videoarbeit „#SPOONER2020“ die Bildsprache amerikanischer Präsidentschaftskampagnen zum Ausgangspunkt. In Form einer fiktiven Wahlwerbung persifliert er die Inszenierungsstrategien politischer Kandidaten und ihre Versprechen an die Wählerschaft. Mit den vertrauten Codes des Genres – von der pathetischen Ansprache bis zur suggestiven Bildsprache – führt Spooner vor Augen, wie sehr politische Botschaften als mediale Produkte funktionieren und sich die Grenzen zwischen Politik, Unterhaltung und Vermarktung zunehmend auflösen.

Robert Knoke, SPOONER2020 (CASEY SPOONER), NEW YORK, 2017 / 2020, mixed media on paper, 210x200 cm
Ausgangspunkt der Arbeit war Spooners eigene Präsidentschaftskandidatur im Jahr 2020, die zugleich als multimediales Performance-Projekt angelegt war. In diesem Zusammenhang entstand auch Robert Knokes großformatige Zeichnung „SPOONER2020 (CASEY SPOONER)“. Das Porträt zeigt Spooner als politische Figur und entwirft zugleich das Bild eines Kandidaten, der den heteronormativ geprägten Rollenbildern amerikanischer Präsidenten eine andere Vorstellung von Repräsentation entgegensetzt. Knokes Zeichnung erweitert damit Spooners künstlerische Selbstinszenierung um eine weitere Perspektive und verbindet das individuelle Porträt mit den medialen und gesellschaftlichen Fragen, die dessen Kandidatur aufwarf.
Amerika, Amerika? Die Wiederholung im Titel ist weniger ein emphatischer Ruf als eine doppelte Frage: Welches Amerika meinen wir – und welches Bild haben wir uns von ihm gemacht? Zwischen Nationalflagge und Turnschuh, Popkultur und Heimatvorstellung, politischem Symbol und alltäglichem Gegenstand begegnen sich Sehnsüchte, Klischees und gesellschaftliche Wirklichkeiten. Die Ausstellung führt diese unterschiedlichen Vorstellungen zusammen, ohne sie zu einem einheitlichen Bild aufzulösen. Sie richtet den Blick auf die Bilder und Mythen, die unsere Wahrnehmung der Vereinigten Staaten prägen – und auf die Widersprüche, die dabei sichtbar werden.
Text: Hendrik Bündge

Casey Spooner, #SPOONER2020, Video, 2 minutes 28 seconds, Courtesy of the artist
AMERIKA, AMERIKA?
Gabi Blum, Simone Kessler
Christian Eisenberger
Janis Löhrer
Robert Knoke
Alex McQuilkin
Casey Spooner
Charlie Stein
Sophia Süßmilch
Opening: Tuesday, November 3rd 2026, 6-9 PM
Hasn’t America always been, in part, a construct, a promise of freedom, progress, and self-realisation embodied in the myth of the American Dream? As the upcoming U.S. midterm elections approach, the country’s social and political tensions are once again coming into focus. What images, expectations, and contradictions shape our understanding of America?
The exhibition America, America? brings together artworks that engage with American symbols, visual culture, and cultural concepts. It explores how they appear in everyday life and connect to pop culture, consumerism, ideals of beauty, and identity. Moving between fascination and detachment, myth and the present day, the exhibition offers a multifaceted portrait of the United States.
In her American Flag series, for example, Charlie Stein explores how perceptions of the American flag and its symbolic meaning abroad have shifted over the past twenty-odd years. She challenges the widespread assumption that using the flag signals patriotism, even though the U.S. Flag Code expressly considers wearing it as clothing inappropriate – even if the code imposes no penalties. Stein often draws on motifs from pop culture, consumer culture, and contemporary ideals of beauty, embracing and questioning their promises of perfection and self-optimisation. This is also evident in other works on display, including the sculptural hairpiece Scylla, an exaggerated mouth, and a surreal birthday scene, all of which raise questions about artificial identity, desire, and social performance.

Sophia Süßmilch, Heimatliebe, 2020, C-print, 60x40 cm, Courtesy of the artist and MARTINETZ, Cologne
On the one hand, Janis Löhrer engages with the theme by combining American symbols with physicality, queer lifestyles, and consumer culture in the ceramic works shown here. His two versions of Swimming Trunks differ in their patterns: one features the Stars and Stripes, while the other depicts the Confederate flag. In Dirty Trainer, Löhrer, on the other hand, engages with the trainer as an object whose global spread is closely linked to American brands such as Nike. Different signs and objects of American culture thus come together in material and form.
Sophia Süßmilch explores identity, home and self-presentation. Titles such as It’s not who you are, it’s who you wanna be, Love of Home, Self-Portrait in a Good Mood and Holiday on a Farm bring together different ideas of personality, belonging and ways of life. Gabi Blum’s neon work Vacancy, No Vacancy and the video Wishful Thinking by Blum/Kessler broaden these perspectives through additional media and visual languages.
Christian Eisenberger, too, engages with the signs and clichés of America. Created in 2011, his series of stencil works on paper combines striking phrases such as Sex and the City and God Bless You with an unusual story: after a trip to New York, the artist managed to bring several kilograms of horse manure from New York police horses through customs into Germany. The works thus bring together fragments of everyday American language and pop culture with an idiosyncratic, tangible form of artistic remembrance.
Alex McQuilkin, Running Away/Looking Back (Secure Base Phenomenon), 2023, Single Channel Video, 3 minutes 32 seconds, Courtesy of the artist
Two videos by New York artist Alex McQuilkin complement the exhibition, exploring youth, gender roles, and self-perception through film. In Running Away/Looking Back (Secure Base Phenomenon), a girl runs from the camera, repeatedly glancing back over her shoulder. This shot is common in both horror films and advertisements. By editing footage from both sources together, McQuilkin creates an uninterrupted sequence of girls running away and looking back at the camera. Some run for their lives, while others entice the viewer, evoking a fantasy of freedom and happiness. In Magic Moments (Preliminary Materials for a Theory of the Young-Girl), McQuilkin sets appropriated images of young women from advertising – idealised visions of privileged American perfection and freedom – to a slow, acoustic version of the national anthem. The video explores media representations of women and the entanglement of consumer culture with female identity.
In his video #SPOONER2020, American musician and artist Casey Spooner adopts the visual language of US presidential campaigns as his starting point. Framed as a fictional campaign advert, the work satirises political candidates’ staging strategies and promises to voters. Drawing on the genre’s familiar codes – from impassioned appeals to suggestive imagery – Spooner shows how political messages function as media products, and how the boundaries between politics, entertainment and marketing are increasingly dissolving.
The project began with Spooner’s own presidential candidacy in 2020, which was also conceived as a multimedia performance project. In this context, Robert Knoke created his large-scale drawing SPOONER2020 (CASEY SPOONER). The portrait depicts Spooner as a political figure while also presenting the image of a candidate who offers an alternative vision of representation to the heteronormative role models associated with American presidents. Knoke’s drawing thus adds another perspective to Spooner’s artistic self-fashioning, connecting the individual portrait with the media and social questions raised by his candidacy.
America, America? The repetition in the title is less an emphatic cry than a double question: which America do we mean – and what image have we formed of it? Between the national flag and the trainer, mass culture, and ideas of home, political symbols and everyday objects, aspirations, clichés and social realities meet. The exhibition brings these different conceptions together without resolving them into a single image. It turns its gaze to the images and myths that shape our perception of the United States – and to the contradictions that become visible in the process.
Text: Hendrik Bündge
Translation: Sophie Roberts

Christian Eisenberger, Untitled (THANK YOU), 2011, NYPD horse excrements, glue on paper, 70x100 cm, Courtesy of the artist, Galerie Krinzinger, Vienna and MARTINETZ, Cologne


